Philosophy

Premiere 20. Juli – 21. Juli 2019, Open Spaces, Tanzfabrik

Nous sommes contraints à cultiver notre surface (notre forme) pour conformer à une certaine norme de société au prix de notre individualité.
Le solo est une tentative de faire ré-emerger notre individualité réprimée grâce à notre reflet dans le miroir. Le miroir brise cette forme consciemment entretenue, il brise ce que nous considérons comme une simple réflexion de nous-mêmes, notre réalité, et propose de nouvelles versions de nous, ce que j’appelle l’”humain imposssible”.
En suggérant de nouvelles versions de nous-mêmes, le miroir nous donne un aperçu de ce qui est contenu en nous tous: le chaos.
Le chaos est analogue aux multiples facettes que nous portons en nous en tant qu’êtres humains, mais il représente également l’état d’entropie, un état d’ordre biologique vers lequel toute forme vivante aspire.

“Philosophy” construit l’”humain impossible” sur scène. Similaire à l’”Argument du Troisième Homme” d’Artistote, de nouvelles formes possibles sont suggérées que le corps peut affecter – à part celle qu’il assume dans la vie de tous les jours.

Le pouvoir réfractaire du miroir comme les mouvements réfractés, inhibités, soutiennent le potentiel de nouvelles formes du danseur/danseuse sur scène, et – par extension – de tout être humain.

Au cours du développement du solo, le public devient le Troisième Homme, confirmant que le danseur/la danseuse et ses multiple réfractions brisées de ses parties corporelles, constituées et reconstituées par la lumière sans cesse, correspondent effectivement à la même définition: humain.

In “Philosophy” stellt der Performer einen anderen möglichen Menschen vor, der nicht existiert: seine fragmentarische Abbildung in den ihn umgebenden Spiegeln. Dieser ‘unmögliche Mensch‘ versucht durch die Spiege- lung seine unterdrückte Individualität wieder hervortreten zu lassen. Im Laufe dieses Solos wird das Publikum zum ‘unmöglichen Menschen‘, der bestätigt, dass sowohl der Tänzer als auch die multiplen, gebrochenen Spiegelungen seiner Körperteile, mit derselben Definition zu fassen sind: Mensch.

Yiyl

Premiere 24 Februar 2018, Schaubühne Lindenfells Leipzig

Der Prozess der “Zur-Oberfäche-Werdung” der Performerin: —> Mensch —> äußere Hülle (3D) —> Bild (2D)

“Yiyl” zieht seine Inspiration aus der Lebensgeschichte der US-Amerikanerin Aileen Wuornos, welche in den 1990er Jahren zu internationaler Bekanntheit als “weiblicher Serienmörder” gelangte und sowohl vor ihrer Exekution als auch posthum “Karriere” in den Medien machte, die ihren Fall als vermarktbares Stereotyp der “bösen Person” weidlich ausschlachteten.
Zeitungsartikel, Berichte, Dokumentationen sowie ein Hollywoodflm konstruierten mit großer Sorgfalt das Bild eines Unmenschen, dessen Verhalten es als Warnung an alle Bürger zu verstehen galt. Aileen Wuornos Lebensgeschichte und Taten wurden zu einer Projektionsfäche, auf welche ein jeder seine versteckten Ängste frei projizieren konnte, eine Art nationaler Sündenbock.
Das Stück “Yiyl” konzentriert sich auf den Gegensatz zu der damaligen Massenhysterie und allgemeinen Aufgeregtheit, mit welcher der Fall Wuornos öfentlich diskutiert wurde und versteht sich als Reaktion, als eine Art Antithese zu dem Phänomen, welches nur ein Jahrzehnt später in der Web 2.0 – Ära als “Trolling” bekannt werden sollte.

In “Yiyl” wird ein Charakter jenseits der emotionsgeladenen Dramatisierung konstruiert, der von jeglichen Gefühlen abgekoppelt und kalt erscheint. Es wird ein Persönlichkeitsabbild geschafen, das sich von jenem in den neunziger Jahren entfernt, und weder den Akt des Mordens, noch andere Verhaltensmerkmale von Wuornos wertend einfießen lässt.
Der Fall Wuornos übte damals nicht allein durch die Tatsache, daß eine Person mehrere Menschen tötete, Anziehungskraft aus, sondern erregte durch die von sexuellem Missbrauch und Repression gezeichnete Lebensgeschichte großes Aufsehen, da ihr Verhalten als eine Reaktion auf den meist von Männern an ihr ausgeübten Gewaltakten verstanden wurde.
(Weibliche Opfer sexueller Gewalt tendieren eher zu suizidärem Verhalten als das sie ofensiv gegenüber anderen agierten.)

Im öfentlichen Verständnis wird das Töten von Menschen eher dem männlich konnotierten Verhaltensbereich zugeordnet. So erklärt sich auch, warum die Person Aileen Wuornos als “das böse Weibliche” verunglimpft wurde und eine regelrechte Hexenjagd auf diese Frau stattfand, die nach öfentlicher Meinung die Grenze der Weiblichkeit überschritten hatte. Sie war somit selbst Antithese dessen, was sie im Auge der Gesellschaft hätte sein sollen.
“Yiyl” befasst sich mit genau diesem Element des Gegensatzes und versucht einen komplexen kriminellen Fall mit minimalen Mitteln zu umschreiben, indem es sich auf den atmosphärischen Efekt des Charakters konzentriert statt die Persönlichkeit der Mörderin zu analysieren oder kritisch zu betrachten.
Unter Zuhilfenahme von Lichttechnik, einfachen Bewegungsabläufen und den chromatischen Efekten von “weiß”, “schwarz” und “durchsichtig” wird ein Raum geschafen, in dem alles jeglicher Tiefe beraubt zu sein scheint. Es entsteht eine Welt der “Flachheit”, aus der jegliche Substanz gezogen ist – sei es die Farbe des Lichts oder aber der Geisteszustand einer Person.